"DAS FLUGZEUG, DAS ANGST HATTE ZU FLIEGEN"

 

Es war noch sehr früh am Morgen und noch dunkel am Flughafen. Nur in einer Halle brannten schon alle Lichter und es waren Geräusche zu hören. Diese große Halle nennt man am Flughafen "Hangar". In einem Hangar werden Flugzeuge gebaut, repariert und natürlich auch kontrolliert ob alles in Ordnung ist. 

 

Eigentlich war es ein ganz normaler Tag, aber es gab da jemanden, der sich schon sehr lange genau auf diesen Tag riesig gefreut hatte. Dieser jemand war schon sehr aufgeregt.

Und wisst ihr auch wer es war?

Es war Sammy, das Flugzeug!

 

Sammy wurde gerade erst  gebaut. In den letzten Monaten arbeiteten ganz viele Leute an ihm, damit er rechtzeitig fertig wurde. Die Mitarbeiter arbeiteten von früh bis spät. Denn um ein Flugzeug zu bauen braucht man ganz schön viele Teile und diese müssen dann auch noch zusammengesetzt werden. So müssen Räder, Bremsen, Flügel, Sitze, Fenster, Motor, Turbinen, Lichter und ganz viele Schalter und Hebel eingebaut werden. Es waren so viele Teile nötig, dass wir euch diese gar nicht alle aufzählen können. Aber irgendwann waren alle Arbeiten geschafft und Sammy war fertig. 

Sammy war wunderschön geworden und alle waren sehr stolz, dass sie ihn so gut hinbekommen hatten.

Er war weiß. An manchen Stellen ein wenig blau und er glänzte unheimlich schön in der Sonne.

 

Nun endlich war der Tag gekommen auf den sich Sammy schon so sehr gefreut hatte. Er konnte es kaum noch erwarten. Es war der Tag an dem er das erste Mal fliegen sollte.

Es war noch Zeit bis zum Nachmittag. Bevor es los ging, fing Sammy an nachzudenken: Wie wird es wohl sein zu fliegen und über den Wolken zu schweben?

Er dachte weiter nach und begann sich jetzt ein paar Sorgen zu machen: Hoffentlich mache ich auch nichts falsch oder vergesse etwas, denn ich bin ja noch nie geflogen. Ich weiß eigentlich noch nicht genau, was ich zu tun habe. 

Auf einmal wurde Sammy ganz traurig, obwohl er sich so sehr auf diesen Tag gefreut hatte. Er stand jetzt ganz allein in diesem großen Hangar. Sammy hatte große Angst, dass er es nicht schaffen würde zu fliegen. Er fing an zu schluchsten und plötzlich kullerten die ersten Tränchen. 

In diesem Moment fuhr Kai-Uwe, das Follow-Me-Fahrzeug, am Hangar vorbei und hörte jemanden weinen. Er dachte sich: Was ist denn da los? Wer weint da? Ich werde gleich mal nachschauen. Kai-Uwe fuhr in den Hangar und schaltete seine gelben Leuchten, die sich auf dem Dach befanden, ein. Erst konnte er nichts erkennen, aber dann sah er ein Flugzeug, dass in der Ecke stand und weinte. Kai-Uwe fuhr ganz nah ran und sagte: Hallo, ich bin Kai-Uwe und du?

Sammy wollte ihm antworten. Aber er konnte nicht, weil er noch so sehr weinte und viel zu aufgeregt war. Es dauerte einige Zeit, aber dann sagte er: Ich, ich, ich bin Sammy.

Und warum weinst du denn? Fragte Kai-Uwe. Kann ich dir helfen?

Ich weiß nicht genau, sagte Sammy. Aber dann erzählte er Kai-Uwe seine Geschichte und warum er Angst habe. Kai-Uwe hörte ihm genau zu. Ach Sammy, weißt du was? Es ist nicht schlimm, wenn man mal Angst hat. Das geht jedem mal so, sagte Kai-Uwe.  Echt? Fragte Sammy.

Er machte seine Scheibenwischer an und seine Tränchen waren sofort weggewischt.

Klar! Sagte Kai-Uwe und lächelte. Mir ging es damals genau wie dir. Als ich das erste Mal über das Vorfeld gefahren bin und mein erstes Flugzeug von der Startbahn abgeholt hatte, da hatten mir auch die Reifen vor Aufregung gewackelt.  Erzähl bitte weiter, sagte Sammy.

Naja, ich hatte viel Hilfe von den anderen Follow-Me-Fahrzeugen. Und ganz viele Leute haben mir geholfen. Danach ging alles wie von allein. Kai-Uwe erzählte weiter und weiter. Die beiden unterhielten sich noch ewig. Jetzt war klar, die beiden waren ab sofort richtig dicke Freunde.

Auf einmal sagte Kai-Uwe: Ich hab´s! Ich werde dich nachher begleiten und immer in deiner Nähe bleiben, um dir die Daumen zu drücken. Da strahlte Sammy über das ganze Gesicht. Sogar so doll, wie die Rundumleuchten auf Kai-Uwes Dach. Da kam Pushi um die Ecke und die Hangartore wurden geöffnet. Jetzt geht es gleich los. Bist du bereit Großer? Fragte Pushi. Sammy schaute Kai-Uwe fragend an und sagte: Wer ist das und wozu soll ich bereit sein? Das ist mein Kumpel Pushi, sagte Kai-Uwe. Er nimmt dich jetzt mit und pusht dich aus dem Hangar hinaus auf deine Startposition. Pushi fragte: Hey Kumpel, erster Flug? Sammy nickte. Pushi zwinkerte ihm zu und sagte: Mach dir keine Sorgen, wir haben alle mal angefangen! Kai-Uwe stimmte zu: Es ging uns allen mal so. Kai-Uwe erklärte Pushi das Problem von Sammy. Schließlich sagte Pushi: Mein Freund hör mir gut zu. Ich kenne dich zwar noch nicht lang, aber ich weiß genau, dass du es schaffen wirst! Du bist soo groß, soo tapfer und du hast dich doch richtig lang auf diesen Tag gefreut. Habe ich Recht? Sammy nickte. Kai-Uwe und ich sind die ganze Zeit bei dir und drücken dir ganz doll die Daumen! OK Kumpel? 

Sammy war jetzt so stolz, dass seine zwei neuen Freunde an ihn glaubten und ihm die Daumen drücken würden, dass er sagte: OK, jetzt kann es losgehen! Ich bin bereit! 

JUHU!!! Alle Drei freuten sich , dass Sammy keine Angst mehr hatte und endlich an sich glaubte.

 

Tut, tut! Es geht los Sammy, sagte Pushi. Er machte vorsichtig seine Klappen auf und hielt damit Sammy fest. Erst fand es Sammy ein wenig ruckelig, aber dann machte es ihm Spaß. Er fand es toll über das Flughafengelände zu rollen und als sie um die Ecke kamen, standen all die Leute da, die Sammy gebaut hatten und klatschten! Jetzt waren alle Zweifel weg und Sammy konnte es gar nicht mehr erwarten! Dann war es soweit! Pushi hatte ihn auf die Startbahn geschleppt. Sammy war jetzt sehr aufgeregt, aber konzentriert. Er ging alles nochmal im Kopf durch. Pushi machte ihn los und Sammy probierte,  ob seine Bremsklappen und Triebwerke funktionieren.

Aus einem Lautsprecher ertönte: "Bording complete!" Alle Gäste sind an Bord! Wir schließen jetzt die Türen! Des Weiteren sagte die Stimme: Wir wünschen Sammy einen guten ersten Flug!

Dann ging alles so schnell. Sammy hatte seine Tests abgeschlossen. Dann gab er Gas! Er beschleunigte auf 240 km/h. Und jetzt Nase hoch, dachte Sammy. Und so geschah es auch. Dann zog er seine Räder ein. Es war geschafft! Als er noch eine Runde über den Flughafen drehte, kam ihm plötzlich ein großer roter Doppeldecker entgegen. Dieser lächelte und zwinkerte ihm zu. Sammy war darüber sichtlich erfreut. Am Boden sah er Pushi und Kai-Uwe. Beide freuten sich natürlich mit ihm und haben, wie versprochen, beide Daumen gedrückt.

 

Und so dachte Sammy: Man muss wirklich an sich glauben und gute Freunde haben. Dann schafft man alles, was man sich wünscht!

Sammy flog noch viele viele Jahre und die drei Freunde trafen sich so oft sie konnten!

 

 

Made by Doppeldecker on Tour

Susan Elsmann und Christo Pjuskjuliew 

 

(Illustration: Anna Swirin)